Staunen

Vom Wunder des Lebens

geschrieben am 22.05.2012 von Hendrik Heidler, Scheibenberg

Manchmal stehe ich da, den Mund offen, und kann gar nicht mehr begreifen, wie dieses Wunder überhaupt möglich ist. Da wachsen Schneeglöckchen einfach so aus brauner Erde hervor ... und wir "moderne Menschen" gehen täglich daran vorbei und sehen das Wunder daran kaum noch und glauben, ein Wunder müsse Disneygerecht daherkommen. Die Erde hat sich aufgemacht zu fliegen in Form von Bienen und Schmetterlingen und Vögeln und Samen und und und ... Erde kann fliegen! Sie überwindet spielerisch die Schwerkraft ... oder sie überwindet sie nicht, sie spielt mit ihr, sie tanzt mit ihr den Tanz des Lebens und weiß doch wie treu die Erde sie immer wieder zurückkehren lässt ... keine Angst ist da, in das tiefe All zu fallen ... keine Angst, den Halt zu verlieren, wie sie sich in unserer Technik vergegenständlicht hat. Wie brutal unsere Flugmaschinen, nichts anderes im Sinn, als Schwerkraft als Fessel zu betrachten, anstatt als fürsorgliche Liebe. Ein Krümelchen Erde wird zur Biene und kann fliegen wo hin es will. Welch ein Traum muss dahinter träumen, das zu ermöglichen? Manchmal stehe ich da, sehe Fliegen am Stamm eines Ahorn sich wärmen und sehe Menschen, sehe göttliche Wesen, in tiefster Verwandschaft mit mir. Ich spüre gar keinen Unterschied mehr, sie sind mir auf einmal so vertraut, wie nahestehende Menschen. Da ist kein Unterschied. Sie sonnen sich und genießen es wie wir am warmen Ostseestrand.
Welch eine Verirrung, die Erde als Rohstoffquelle für ein sich verselbständigtes, abstraktes Wucherungsprinzip auszurauben bis auf die Knochen.

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