Freude am Sein – miteinander

Staunen 7

Tanz der Kräfte, Spiel der Gedanken, Freude am Sein

geschrieben am 07.03.2013 von Hendrik Heidler, Scheibenberg

Durchsichtig klare Luft, zum Greifen nahe die weißen Landschaften. Vor mir der Scheibenberg, mit zunehmender Höhe die Bäume in klirrendem Reif gehüllt. Darüber ein leuchtend blaues Himmelszelt, welches die Sonne wärmend erhellt. Endlich! Fast ohne Ausnahme seit Jahresbeginn verhüllte sie ihr goldenes Leuchten hinter dichten Wolkendecken. Teils fingerlange Eiskristalle schmückten die Bäume, sahen wie von Bergkristall ummantelt. Die Natur, wie in einem Märchen des Väterchen Frost. Doch schon knisterte, raschelte es überall. kaum berührten die zunehmend kräftigen Strahlen der Sonne das eisige Weiß. Wie ein Sternenregen rieselten vom sich zeigenden Grün der Fichten, den kahlen Ästen der Laubbäume unzählige dieser Eiskristalle hernieder. Der Wald war ein einziges Tanzen der beiden Jahreszeiten. Hier, im Schatten der Sonne noch eisiger Frost, dort im Lichte das kommende Grün. KEINEN Kampf des grimmigen Winters gegen den heiteren Frühling konnte ich fühlen. Nein, es war ein wirklicher Tanz der Kräfte, eine grüne Hochzeit in weiß und in gold. Aus Feuer und Eis erhob sich in Freude etwas neues, ein harmonisches Miteinander, wie es schöner im Einzelnen kaum erlebt werden kann.

Wie oft dienen sprachliche Vergleiche einer gewalttätigen, verirrten Kultur, auch die Natur in deren Sprache zu pressen. Vom Kampf der Elemente, über den Krieg der Viren bis zum Kampf ums Dasein werden diese Vorstellungen wie selbstverständlich auf die Natur übertragen. Doch wie anders kann vieles in anderem Lichte erscheinen, wenn die eigene Sicht für anderes zugelassen wird. Der Winter tanzt mit dem Frühling und spielt mit dem bunten Laub der herbstlichen Blätter. Das Meer streichelt den zarten Ostseestrand oder feiert auch manchmal eine wilde Hochzeit mit ihm. Ganz Freude am Sein.

Nicht nur an den Grenzen zwischen Winter und Frühling, auch an den Grenzen unseres Denkens zeigen sich oft die erstaunlichsten Möglichkeiten, die frischesten Kräfte des Lebens.

Versuchen Sie es einmal, tauschen sie aus Freude am Spiel der Gedanken alltägliche Begriffe der Gewalt mit solchen des Spiels, des Tanzes, der Liebe, des Erschaffens aus. Sie werden staunen, wie sich auf einmal neue Wahrnehmungen zeigen.

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