Staunen 8
Da stehen Bäume auf der Erde
geschrieben am 04.10.2013 von Hendrik Heidler, Scheibenberg
Stille, selbst wenn von fern ein unaufhörliches Brummen fahrender Maschinen zu hören ist. Irgendwie gelingt es dem Wald, Ruhe zu bewahren. Ich weiß nicht, wie er das macht, mich verwundert es. Die Strahlen der Sonne, sichtbar von morgendlicher Feuchte, spielen mit dem Laub der Blätter, schaffen geheimnisvolle Inseln, öffnen eine unendliche Tiefe, die sich nicht um die sichtbaren Grenzen des Waldstückchens kümmert. Und, der Wald lädt mich ein, mich auf das weiche Gras zu legen. Da stehen sie nun, 20, 30 und gar 40 Meter hohe Fichten, wiegen sich sacht und beruhigend und kümmern sich scheinbar nicht darum, weshalb sie sind. Aber womöglich ist das nur meine moderne Taubheit. Vesunken im Schauen dieser Größe tauchen Fragen auf und Gedanken und Staunen, wie Erde als toter Dreck nur gesehen werden kann. Und falls es wirklich solcher sein sollte, wie ist es ihm nur möglich, sich als Bäume aus sich selbst zu erheben? Wo steckt das tote Naturgesetz, welches lebendiges Leben ermöglicht?
Da stehen Bäume auf der Erde, sind selbst Erde, dort fliegt ein Krümelchen Erde durch die Lüfte, tanzt in der Sonne, macht Menschenherzen leicht. Ein Schmetterling ist's, ein bisschen Erde und gerade deshalb ein Wunder. Kann Erde tot sein? Und wir Menschen, selbst aus Erde geboren, wir erfreuen uns an diesem bunten Krümelchen flatternder Erde, finden Ruhe zwischen den erhabenen Bäumen. Kann Erde sich an Schönheit erfreuen? Jeder von uns ein kleiner und auch unendlicher Planet, aus Erde erwachsen, auf ihr wandelnd, der Freude und Liebe mächtig, auch der Trauer und es Zorns und auch der Illusion, wir seien losgelöst aus diesem Wunder, könnten nach belieben fremdes und auch eigenes Leben opfern, um unser Leben mit totem Reichtum zu gestalten.
Ich wundere mich, wie die Wunder der Erde als Wucherungen toter Gesetze erwachsen sollen und ich wundere mich, wie toter, abtötender Reichtum Leben befördern können soll. Und ich denke darüber nach was wäre, würde jemand einen Baum um toten Reichtum, Geld zum Beispiel, bitten. Mir scheint, er schenkte ihm Gesundheit, weil er dessen Verwirrung spürte.