Soll das unser aller Zukunft werden?

"Haltet den Dieb!" – Kein Krieg gegen Russland!

Eine Kerze für den Frieden! – Ein Licht für Herz und Verstand!

geschrieben am 15.04.2014 von Hendrik Heidler, Scheibenberg

Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern, was durch genaue Naturbeobachtung bekannt geworden ist: das Leben ist zutiefst miteinander verwoben und setzt viel mehr auf Zusammenspiel anstatt auf Krieg. Ja, anders kann es gar nicht sein.

Das scheint mir sehr logisch, wie anders wäre sonst das bewunderungswürdige Funktionieren des menschlichen Körpers denkbar, oder ein Ökosystem eines Waldes?Jedes Organ, jede Zelle tragen zum lebendigen Ganzen bei - und je besser sie ihre ureigene Aufgabe wahrnehmen, umso besser ist das für alle. Entgleisen jedoch eins bzw. mehrere, um sich auf Kosten der Anderen gütlich zu tun, bringen sie alle zusammen, inklusive sich selbst in Gefahr. Jeder weiß was aus dem rücksichtslosen Wuchern einiger Zellen werden kann: Tod durch Krebs. Beispielsweise sind Krebszellen in der Lage, neue Blutgefäße wachsen zu lassen, um sich selbst damit direkt versorgen zu können. Der restliche Kröper zehrt aus bis er nicht mehr kann. 
Die nach Darwin abgeleitete Behauptung, der Stärkste und Brutalste setze sich durch, ist längst nicht mehr haltbar. Das scheint aber im alltäglich vergötterten Konkurrenzkampf eines Jeden gegen Jeden noch nicht im Bewusstsein angekommen zu sein ... und im Umgang der Stärksten und Brutalsten gegenüber Russland erst recht nicht. Diejenigen westlichen Machthaber, die sich als Sieger des 1989er Zusammenbruchs im Osten Europas sehen, halten es nicht aus wenn ihnen irgend etwas in die Quere kommt.
Diese krankhafte Siegermentalität, die jedoch nur Ausdruck des allumfassenden Konkurrenzdaseins ist, kennt nur die Übertragung der eigenen Mängel auf andere und die Eindämmung bzw. Vernichtung jedes vermeintlichen Gegners.
Das ist das Prinzip von Krebszellen: Für das eigene Überleben wird alles andere geopfert, selbst wenn damit das eigene Überleben unmöglich wird; ganz nach dem Motto: Was ich selber denk und tu, das trau ich andern zu.
Solche Sieger können und wollen nicht verlieren, selbst wenn niemand mit ihnen Kämpfen will. 

Wird nicht gerade von Seiten vieler westlicher Machthaber und Meinungsmacher genau so mit Russland umgegangen? In völliger Verdrehung offensichtlichen Geschehens wird Russland in einer seit langem beispiellosen öffentlichen Hysterie, Kriegstreiberrei und Verteufelung zu einem kriegslüsternen Angreifer medial zurechtgetrommelt.
Freilich, auch Russland ist ein Nationalstaat und somit diesem auf Konkurrenz beruhenden System unterworfen und daher vom Wesen her selbstverständlich kein grundsätzlich dem Menschen nützliches Gebilde. Auch Russland als Nationalstaat hat genügend Dreck am Stecken, wie ein führender Politiker eines Nationalstaates selbstverständlich immer auch Entscheidungen trifft, die vom Menschlichen her fragwürdig sind. Daher kritisiere ich ja von der Wurzel her die gegenwärtig bestehende Verwertungskultur mit seinen nationalstaatlichen Strukturen. Aber gegenwärtig haben wir diese Art von Weltgesellschaft und innerhalb dieser gedacht, hat Russland einfach das Recht, seine Nationalstaatlichkeit zu bewahren und entsprechende Interessen zu formulieren und zu schützen. Das ist zu beachten.

Außerdem überfielen bisher die west- und mitteleuropäischen Mächte in steter Folge Russland und nicht andersherum. Bei aller Fragwürdigkeit ist der Hitler-Stalin-Pakt und dessen Folgen auch unter diesem Aspekt und der seltsamen Politik der damaligen Westmächte gegenüber Deutschland bzw. Russlands zu sehen und weniger als Beuweis für Russlands angeblicher Aggressivität.

Außerdem, haben nicht die Russen nach Deutschlands Vernichtungskrieg gegen sie (mit etwa 30 millionen Opfern auf sowjet-russischer Seite) alles Recht der Welt, auf der Hut zu sein?

Oder liegt etwa Moskau in Frankreich, Stalingrad und Leningrad in Deutschland? Vielleicht glauben manche gar, die Ostukraine ist ein Bundestaat der USA und muss deshalb in die Nato gezerrt werden? Es könnte auch sein, Napoleon hatte sich irgendwie verlaufen, als er in Moskau einfiel oder Hitler meinte, die polnischen und russischen Slaven seien deshalb zu 90 Prozent zu vernichten, weil sie in aggressiver Weise in zukunftig deutsches Staatsgebiet hineingeboren wurden. 
Mag auch sein, die Einfälle westlicher Truppen in Russland ab 1918 (auf einmal in trauter Einigkeit, nachdem sie sich soeben noch gegenseitig zerfleischt hatten - Pack schlägt sich, Pack verträgt sich) erfolgte nur deshalb, weil die bösen Russen in Texas einmarschieren wollten.
Und die USA fordert deshalb den Truppenabzug von der russisch-ukrainischen Grenze, weil russische Truppen in Russland nichts zu suchen haben und schon gar nicht dort, wo die USA gemeinsam mit der UKRAINE an Russland grenzt.
Erst die Russen entwaffnen, damit sie risikoarm getötet werden können. Das ist oft genug erfolgreich an vielen Völkern getestet worden. Die Indianer können viele Lieder davon singen, aber nicht nur sie.

Ja, für wie blöd wird man denn gehalten? Ja, anscheinend genau für so blöd, wie wir offenbar sind. Denn offensichtlich funktionieren die gleichen Tricks immer wieder: In die Enge treiben, Anlässe inszenieren und dann zuschlagen, wenn sich gewehrt wird. Haltet den Dieb - immer wieder.
Und jetzt ist Russland wieder einmal bzw. immer noch dran. Die Russen wollen anscheinend aus Sicht der westlichen Siegerherren einfach nicht aufgeben. Eigentlich müssten die doch ihren Staat endlich freiwillig in viele kleine Fetzen zerlegen, dann den Antrag auf EU-Mitgliedschaft stellen und sich damit zu guten und kreditfinanzierten Warenabnehmern der edlen West-Europäer machen. Erleben sie dann ihr russisches Griechenland, werden sie als faul und prassend beschimpft. Aber Deutschlands Exportwalze, mit ihren betriebswirtschaftlich gesehen gar nicht sinnvollen, großen und dauerhaften Exportüberschüssen, kann nur auf hoher Verschuldung der Importländer beruhen. Insgesamt wird sich damit auf Dauer kein Aufschwung machen lassen. Was mit Sicherheit auch Deutschland spüren wird. Ein Kapitän mit seiner Brücke, dessen Schiff untergeht, steigt kurz vorm Absaufen auch erst noch einmal in die Höhe. 

Und die USA hat bei dieser böswilligen Hysterie gegen Russland das so genannte Europa gut im Griff. Übrigens Europa geht bis an den Ural und die internationale Gemeinschaft ist nicht nur die USA und die EU.

Russland weiß mehr als kaum ein anderes Land, was Krieg ist ... und auch Despotie. Als Beispiel sei genannt, dass im 2. Weltkrieg an der Ostfront all die Jahre jeden Tag zehntausend Menschen getötet wurden. Insgesamt etwa 30 Millionen Russen mussten sterben. Die USA waren weit weg und gaben 250.000 Menschenleben. Es heißt, weniger als sie zur gleichen Zeit Verkehrstote zu beklagen hatten. Um Missverständnisse vorzubeugen, auch diese getöteten Menschen an der Westfront sind jeder einzelne zuviel gewesen, aber vergleichbar mit Russlands Preis für die Verteidigung ihrer Heimat ist das nicht. Von den materiellen Verwüstungen von beispielsweise 70.000 russischer Orte ganz zu schweigen. Die USA waren weit. Sie haben erst dann mit Truppen eingegriffen, nachdem die Gefahr bestand, dass die russischen Truppen kurzerhand bis an den Atlantik durchmarschieren würden, um das faschistische Deutschland niederzuringen.

Und wo haben die Russen hunderte Militärbasen außerhalb ihres Landes,  beispielsweise rund um der US-amerikanischen Grenze angeordnet? Weshalb haben die Russen Militärausgaben von etwa 80 Milliarden Doller, die USA aber von etwa 650 Milliarden? Wer ist hier der Aggresivling? Wieviele Angriffswaffensysteme haben die USA und wieviele Russland, beispielsweise Flugzeugträger?

Sollte es nicht auch zu denken geben, dass die sich freiheitlich nennenden westlichen Demokratien (die von früh bis spät gebetsmühlenartig von Frieden, sozialer Verantwortung und Menschenrechten schwafeln) die Staaten sind, die in der gesamten Menschheitsgeschichte absolut und relativ am höchstgerüsteten und mit dem größten Vernichtungspotenzial ausgestatteten sind?
Historisch aus den Feuerwaffenökonomien absolutistischer Herrscher erwachsen, können sie ihre Herkunft nicht leugnen.

Ach ja, das kleine Kuba ist seit über 50 Jahren einer brutalen, knallharten Blockade ausgeliefert und wenn es wirtschaftlich schwächelt, liegt das natürlich nur an die dummen Kubaner, die nicht aufhören können, ein freies Land sein zu wollen und kein USA-Spielkasino. Und dieses kleine freie Land wird von dieser mächtigen USA einfach nicht ausgehalten. Sie will es vernichten ... um Sieger zu bleiben. Anders ist dieser Hass nicht erklärbar. Erstaunlich die Militärdoktrin Kubas, der sich eigentlich alle anschließen könnten, wenn sie wollten:

Einen Krieg verhindern, heißt ihn zu gewinnen!

Mir scheint, die westlichen Herren haben sich seit 1989 als Sieger der Geschichte ausgerufen und dabei sind sie die nächsten, die die Geschichte in den Ruhestand schicken wird. Vielleicht ahnen sie, dass ihre Zeit längst abgelaufen ist und die finale Systemkrise spätestens seit 2008 längst an ihre Türe klopfte, falls sie nicht längst beide Beine in der Türe hat. Womöglich deshalb halten sie es gegenwärtig einfach nicht aus, dass hier jemand einmal Nein gesagt hat. Sie ahnen ihren Untergang und, sie wurden schlicht erwischt, in ihrem bösen ukrainischen Spiel. Ihnen wurde auf die Finger geklopft und sie wurden blos gestellt. Das darf nun aber gar nicht sein. Jetzt muss erst recht gesiegt werden, um jeden Preis und wenn es ein Krieg gegen Russland ist.

Jeder kennt solche Menschen, die alles tun, um recht zu behalten, offensichtlich lügen, betrügen, heucheln und auch brutal werden. Sie gehören in Therapie und nicht an Atomsprengknöpfe. Offensichtlich tümmeln sich an kreuzgefährlichen Hebeln gerade solche Kämpfer des Friedhofsfrieden.

Russland muss bestraft werden, heißt es aus ihren lügnerischen Mäulern und in trautem Gleichtakt. Womöglich sehen sie gar die Chance, das widerspenstige Russland endlich platt zu machen, nachdem es seit zweihundert Jahren entgegen aller westlicher Prophezeihungen und intensivster Anstrengungen immer wieder aus Ruinen aufstand und die Angreifer zurückwarf. Jetzt scheint der Tag der Abrechnung mit diesem bösen Überlebenskünstler gekommen. Napoleon ist gescheitert, Hitler ist gescheitert, Gorbatschow ist wohl mehr oder weniger absichtslos von innen heraus gescheitert, aber der Friedensnobelpreisträger, Drohnenmörder und Präsident, der sieht sich jetzt womöglich als Sieger in spe. Und der Kriegsschauplatz Europa scheint wieder einmal fern genug. Doch die untertänigen Möchtegern-Ganzeuropäer zündeln kräftig mit, vielelicht in der Hoffnung, schnell genug das weite suchen zu können. Sie sollten sich an Muammar al-Gaddafis oder Saddam Husseins Ende erinnern.

Als ob es nicht längst genug Dahingemeuchelte in dieser so genannten Menschheitsgeschichte gab. Aber eine allgemein anerkannte Konkurrenzgesellschaft, in der  ständig ein allgemein anerkannter Krieg, jeder gegen jeden tobt, kann sich nur über Sieger und Besiegte, über Herren und Diener wahrnehmen und erhalten!
Eine solche Gesellschaft wie die gegenwärtige kann nur die Schuld anderen in die Schuhe schieben und alles niederwalzen, was ihr im Wege steht. Wie anders sollen sich alle deren Befürworter sonst noch in die Augen blicken können?
Das geht nur in der Individualisierung der Chancen und in der Verdrängung der gesellschaftlichen Konkurrenzform eines Jeden gegen Jeden. Kein Wunder also, dass die sich als Sieger Sehenden, anderen die Schuld für alle Übel dieser Welt zuweisen müssen. Und dafür eignet sich Russland wieder einmal bestens, weil es sich nicht freiwillig auflöst. Auch die Juden waren so eine dahingemordete Projektionsfläche kranker westlicher Konkurrenzsubjekte, wie sie sich gegenwärtig als Friedensengel aufspielen. 

Ausschwitz, als Synonym des deutschen Faschismus in seinen Mordorgien war kein singuläres, von Geschichte, Herkunft und Ideologien freies Ereignis, sondern zutiefst in die kapitalistische und speziell deutsche Geschichte und deren Selbstverständnis eingebundene logische Konsequenz. So wie Luther in seiner Hexenpredigt die als Hexen verunglimpften Weisen Frauen zum Töten für notwendig erachtete, so rief er auf, die Synagogen in Brand zu stecken.
Übrigens, die Nazis beriefen sich im Nürnberger Prozess sinnigerweise auf Luther.
Der Judenmord, der Russlandmordfeldzug und alle anderen Verbrechen waren und sind Teil des kapitalistischen Systems und aus seiner Daseinsweise heraus logisch erklärbar.
Ein Grund mehr, dieses System zu beenden, indem sich dessen Träger, die wir alle sind, individuell und gesellschaftlich heilen.

In diesem System sind alle erkrankt, anders bestünde es nicht. Jedoch erscheinen mir die Erkrankungen dieser fanatischen Herrenmenschen und Systemerhaltungspriester  inzwischen soweit vorangeschritten, dass sogar deutsche davon, und sich als links bezeichnende Politiker Russland die Schuld für den ersten Weltkrieg in die Schuhe schieben wollen. Damit ist klar, wer den nächsten Krieg macht, natürlich wieder diese asiatischen Horden.

Wird gar wieder ein Krieg angeschoben, in dem Deutschland als Mitanstifter gegen Russland einbezogen ist? 

Ich gebe zu, bis kurzem hielt ich diesen ausufernden Hass gegen Russland, diese blindwütige Siegermentalität nicht bis zu diesem Gard von Kriegstreiberei für möglich. Ich glaubte, es gibt in dieser hochvernetzten Welt ein Grundverständnis dafür, das es zumindest keine großen Kriege mehr geben darf und kann.
Mir war trotzdem klar - und es gibt genügend Beweise dafür - dass deshalb Umstürze im Sinne des Westens, insbesondere der USA von unten heraus, hinterhältig und schleimig erschaffen werden.
Dieses Szenario ist immer das gleiche, siehe arabischer Frühling, siehe Lybien, siehe Syrien und siehe jetzt die Ukraine. Wird der Westen erwischt, heist es dann, haltet den Dieb und auf andere gezeigt. Sicherlich nehmen es USA und EU diesen Putin äußerst übel, dass er mit unüblichen Ideen einen Einfall in Syrien verhinderte.
Bei dem, was derzeit hier im Westen läuft, halte ich wieder einen großen Krieg für möglich, weil diese Hetze und dieses Säbelrasseln auf Dauer nicht beherrschbar sein wird. Eben, im Westen nichts neues. Womöglich soll es das auch nicht. 

In diesem ganzen Geschrei geht unter, wie sehr diese Ukraine längst bankrott war und nur durch russisches Entgegenkommen nicht bereits 2013 zusammen brach. Dies weiß auch der Westen, wie die IWF-Chefin ausdrücklich verkündete.
Also was soll Russland für Interesse haben, jetzt die Ukraine zu destabilisieren, wenn es dieses Land vorher erst mit viel Geld stabilisierte? Den Zusammenbruch hätte es längst leichter, billiger und unauffälliger haben können, wenn es schlicht die Gaspreise nicht bevorzugt verbilligt und keine Milliardenkredite gegeben hätte.

1981 besuchte ich in Leningrad, heute St. Petersburg, einen der großen Friedhöfe des Krieges. Ich sah Massengräber von den Ausmaßen halber Fußballfelder. Ein Hügel neben dem anderen und in jedem dieser Hügel liegen zehntausend Kinder, Frauen, Männer, Greisinnen und Greise. Fassungslos sah ich, was meine Großelterngeneration hier angerichtet hatte.
Mein Großvater fiel im Norden Russlands hinter Leningrad, mein Urgroßvater in der Ukraine nach dem 1. Weltkrieg während der Invasion gegen Russland.
Und dann kam Scham in mir auf, worüber ich staunte. Ich war doch 1961 geboren, weshalb schämte ich mich also? Plötzlich fühlte ich deutsch und nicht mehr rechtfertigend als Ostdeutscher. Ich sprach dort auf diesem Friedhof die deutsche Sprache, die der Mörder. Auch mein mir immer fehlender und verehrter Großvater war zumindest dort in der Nähe und mein anderer Großvater war bei Moskau und bei Stalingrad. Ein widersprüchliches Empfinden, einserseits der Mann, der hier zu Hause liebevoll, spaßig und intelligent beschrieben wurde, und dort? Was tat er dort? Ich weiß es nicht! Ich hoffe immer, er habe sich verweigert.
Hier an diesen Gräbern Leningrads aber, spürte ich Scham und wusste nicht wohin mit mir. Genau in diesem Zustand kam ein altes Mütterchen auf uns zu. Sie sprach uns an und meinte, sie erkenne, dass wir Deutsche seien. Und dann sagte sie etwas, was ich nie vergessen kann, einfach so, ohne dass wir sie ansprachen. Wir waren sowieso sprachlos. Nicht mehr wortgenau aber exakt in dem, was sie sagte, meinte sie: "Hier, in diesem Grab mit diesen Tausenden, liegt meine ganze Familie begraben, verhungert, umgekommen in der Blockade." Sie machte eine Pause: "Ich bin Euch Deutschen nicht böse, hasse Euch nicht. Ihr habt den Krieg auch nicht wirklich gewollt, seid Hitler auf dem Leim gegangen."

Heute frage ich jeden, der diese Zeilen ließt: "Gehen wir wieder Kriegstrommlern auf den Leim? Lassen wir wieder Mord und Todschlag zu?"
Wir wissen doch, zuerst beginnt es mit trügerischen Worten.

Daher ist nicht nur die Stimme zu erheben, sondern sind auch Fragen zu stellen.
Wieso kann es immer wieder nach gleichem Szenario laufen?
Weshalb fruchten immer wieder dieser Hass, diese Schuldzuweisungen, dieses Böse anderen Menschen gegenüber?
Die frühere ukrainische Präsidentin scheint gar bereit dazu, Putin selbst zu erschießen und die acht millionen Russen in ihrem Land mit der Atombombe zu vertreiben. Damit wäre die Russanfrage also endgelöst.

Welche Verletzungen, welche Sinnleere muss in diesen Menschen fressen, wenn sie so etwas ausprechen und vermutlich auch verwirklichen können? Wenn ich das sagte oder gar anstrebte (was mir unvorstellbar ist), landete ich bestenfalls in der Irrenanstalt, aber wenn so etwas eine Herrenmenschin sagt, ist das OK. Wenn Bush jr. hundertausende Iraker in den Tod riss, ist das Politik und gut. Wenn der gleiche, dort beteiligte GI im Zivilen auch nur einen Menschen mordet, ist das mit Recht Mord. Wieso für Bush nicht?

Also muss es grundlegende Strukturen geben, die solch pathologische Typen als normal erscheinen lassen. Diese finden sich in der Art und Weise, wie wir unser Leben gestalten und erhalten, wie wir also vergesellschaftet sind. Denn diese zerstörerische Gesellschaft sind wir selbst in unserem Glauben, getrennt, sündig zu sein.
Indem wir die Gesellschaft selbst leben - anders geht es ja nicht - erschaffen wir sie und entmächtigen uns damit gleich wieder.
Indem wir sagen: "der Markt regelt es, wir sind unser Geld wert, ohne Arbeit geht es nicht, wir müssen kaufen um zu leben", liefern wir uns an diese eigenen aber uns unbwussten Kräfte aus und machen uns zu Gesellschaftsfetischisten. Jeder!

Diese Auslieferung entfesselt zerstörerische Kräfte, die Krieg, Arbeitslosigkeit, Hunger, Armut und Elend ebenso als Naturgesetz bzw. Schicksal erscheinen lassen, wie Superreichtum, Glück, Arbeit, Erfolg usw. Aber so ist es nicht. Wir haben diesen Kräften nur die Macht gegeben, indem wir an sie glauben und sie so leben, dass sie in der Lage sind, unsere Dinge irgendwie zu regeln. Aber wir selbst sollten unsere Dinge eigentlich bewusst, absichtlich und selbst regeln, wenn wir Menschen sein wollen ... unser menschliches Miteinander, unsere Bedürfgnisbefriedigung, unsere Lebensweise, unsere Sinnerfüllung fällt nicht vom Himmel und auch nicht vom Mehrwert ab.
Längst ist bewiesen, dass Markt, Geld, sinnfreie Arbeit, Wert, Staat, Gesetze, Technik, Kultur, Medizin usw. unsere Dinge eben nicht von allein gut regeln, und schon gar nicht neutral sind. Sie schaffen mit ihnen unbewusst und damit über uns Menschen eine Struktur, der wir immer weiter ausgeliefert sind und die wir immer mehr bedienen und ausbauen müssen, wenn wir sie nicht bewusst von der Wurzel her verändern werden.
Immer mehr und immer mehr dienen wir dieser Struktur und diesem daraus folgendem Prozess der Mehrwertanhäufung. Immer mehr und mehr toter Reichtum, immer mehr, immer mehr, tote Menschen, immer weniger, immer weniger Lebendigkeit und Sinnerfüllung ... irgendwann wieder ein großer Krieg ... und dann?

Kurz gesagt, Kapitalismus sind Du und ich, auch wenn wir es nicht gern hören und wenn es dafür schöne andere Begriffe gibt. Aber es ist eine Lebensweise, eine Daseinsweise die nur am Leben erhalten werden kann, wenn sie Leben zerstört. Wir müssen uns verwerten lassen, um mit dem daraus erhaltenen Wert (Geld) unser Leben zu erhalten. Das kann nicht gut gehen und konnte es nie. Die moderne, sinnfreie Arbeit ist ein Selbstmord auf Raten, indem sie aus Lebenskraft Geld presst. Und um dieses Blutgeld zu besitzen, zerstören wir uns in der Konkurrenz selbst, jeder für sich und alle zusammen gegeneinander. Einsamkeit ist allgegenwärtig.

Ist es nicht an der Zeit zu sagen, wir wollen sinnerfüllt Leben und uns nicht mehr in Geld aufwiegen, also bewerten und uns gar dafür in Kriege treiben lassen?

Die jetzige Totenkultur ist geschichtlich hervorgebracht worden aber sie musste nicht zwangsweise entstehen. Es sind auch andere Formen des gesellschaftlichen Lebens möglich. Noch ist Zeit, sie zu beenden und eine menschliche Form hervorzubringen. Doch, es wird von Tag zu Tag schwieriger. Krieg, Naturzerstörung, Menschenverwertung usw. machen es immer drängender. Aber irgendwann ist der Punkt überschritten und es zu spät ist. 

Trotzdem, auch wenn ich Luther inzwischen als zweifelhaften Menschenverächter sehe, mit seinem Bild vom Apfelbäumchen, was er auch dann noch pflanzte, wenn morgen die Welt untergänge, hat er recht. Denn, womöglich geht sie dann nicht unter! 

Also, was wird sich denn gedacht, von denen, die Krieg hier in den Kernländern des Kapitalismus für möglich halten? (Die Kriege an der Peripherie sind bereits schlimm genug und äußerst verwerflich.) 
Unsere Abhängigkeit von technischer Infrastruktur ist so fest geworden, dass nach wenigen Stunden bis Tagen nichts mehr geht. Plünderungen wären dann noch das geringste Übel.
Woher soll das Essen kommen, woher das Trinken, woher die Energie für die Kühltruhen, woher die Informationen, woher die Wärme, woher Kommunikation?

All das ist für eine neue Gesellschaft auf Menschlichkeit hin zu überprüfen und falls gängig, zu bewahren. Der Rest ist abzuschaffen.
Es geht nicht darum, eine neue Gesellschaftsform im Tauschhandel oder der Steinzeit anzusiedeln. Das geht gar nicht. Die Menschheit ist zu vernetzt als das ein Zusammenbruch der Infrastruktur zugelassen werden darf.
Ziel kann es daher nur sein, eine sinnlich-konkrete Bedürfnisbefriedigung ohne Geld, Wert, Waren, Markt und sinnfreier Arbeit bei hoher Vernetztheit zu gewährleisten. Ein Theater ist anders zu führen als ein Lebensmittelhersteller. Aber jetzt wird alles über einen Kamm der Mehrwertanhäufung gescheert. Das kann natürlich menschlich nicht gut gehen.

Wohlgemerkt, auch ohne heißen Krieg zerstört sich diese Form von Vergesellschaftung in ihrem alltäglich Krieg um tote Reichtümer. Ist es da nicht längst an der Zeit, jeden Krieg, auch den der Konkurrenz zu beendet?

Damit dies möglich wird, sollte uns ein Licht aufgehen, um zu sehen, was wir jetzt unzumutbares tun und zukünftig anders, heilsames tun sollten.

Aus diesem Grund und damit KEIN Krieg gegen Russland entfesselt wird, bitte ich jeden, der diese Zeilen ließt, abends eine brennende Kerze ins Fenster zu stellen.
Für Frieden, einen friedlichen Umbruch und das Leben in liebevoller Erfüllung in seiner Einheit von Körper-Geist-Seele-Gesellschaft.

Hendrik Heidler

Diesen Text unterstütze ich bewusst: Susann Zill.

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